Dany Keller Galerie


Sinje Dillenkofer

Photoobjekte vom 20.3. bis 19.5.2001
Nach dem Umzug in die Türkenstr. 11 wurden Photoobjekte von Sinje Dillenkofer in der ersten Ausstellung gezeigt.
Die Künstlerin wurde 1959 geboren und studierte von 1981 bis 1987 an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo sie jetzt bis 2002 als künstlerische Mitarbeiterin des Rektors Prof.Paul Uwe Dreyer lehrt.
   

o.T. Nr.1, 1999
Ilfochcrome, Acryl, Holz, 95x144,5x8 cm
o.T. Nr.5, 1999/2000
Ilfochrome, Acryl, Holz, 58x79x8 cm
 
Die Photoobjekte zum Themenzyklus "Besteckkästen" (1999/2000) archivieren das scheinbar Individuelle, das Schöne des bürgerlichen Wohlstands, assoziieren aber gleichzeitig militärisch anmutende Ordnungssysteme. Die aufgereiht eingebetteten Esswerkzeuge in stoffgefütterten Kästen sind ein prägnantes Beispiel der Arbeiten Sinje Dillenkofers. Die Photowerke zu unterschiedlichen Themen analysieren gesellschaftliche Strukturen und Wertbegriffe und stellen Fragen nach Individualität, Authentizität und zum Geschlechterverständnis. Sie sind vielschichtig und hinter dem Offensichtlichen verbergen sich Geheimnisse, die jeder für sich individuell entschlüsseln kann.
   
o.T. Nr.7, 1999/2000
Ilfochrome, Acryl, Holz, 58x79x8 cm
 
   
Presse  

Auszug aus der Süddeutschen Zeitung vom 29. März 2001
"Am Anfang steht ein Ende" von Birgit Sonna

"...Mit Sinje Dillenkofer stellt Dany Keller nun eine Künstlerin vor, die die mediale Grenzen zwischen Fotografie, Lichtmalerei und Objektkunst scheinbar synthetisch verschmilzt. Der erste Eindruck trügt. Je länger man sich mit den sachlich abfotografierten und im Originalmaßstab wiedergegebenen Gebrauchsgegenständen beschäftigt, um so janusköpfiger erscheint die coole Zurschaustellung des Leblosen. Einige von Dillenkofers Leuchtboxen reflektieren das gemeinhin verschlossen gehaltene Interieur altmodischer Besteckkästen. Die rigide und serielle Ordnung des Silberbestecks hat etwas von militärischem Drill und Gehorsam an sich. So gesehen ist Johannes Meinhardts Auslegung gar nicht so abwegig. Er fühlt sich daran erinnert, dass Besteckkästen einer "absolutistischen Ästhetik angehören: einer Ästhetik der Normierung der Individuen und der Unterwerfung dieser unter eine absolute Verwaltung, ein vorgegebenes staatliches Maßsystem".

Womit zum Teil der fast bedrohliche Charakter der illuminierten, im Prinzip recht edlen Besteckkästen erklärt wäre. Es ist, als starre man in einen mit Seide ausgelegten Sarg. Die Kratzer an den Löffeln, Gabeln, Messern erzählen von einem vergangenen, nicht mal mehr ansatzweise nachvollziehbaren Leben. So hat Dillenkofer unter Einsatz neuer Medien ein zeitgemäßes Memento Mori geschaffen. Gar kein so schlechter Neustart für eine Galerie, wenn man die barocke Allegorie berücksichtigt. "Es geht um die komplette Austauschbarkeit zwischen Leben und Tod", sagt Dillenkofer."

   

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